Anders als marine Biodiversität, die sich auf Meere und Küsten bezieht, steht aquatische Biodiversität oft unter starkem Druck durch Wasserkraftwerke, Flussausbau oder Schadstoffe aus Landwirtschaft und Industrie. Beide sind eng miteinander verbunden, weil Flüsse und Auen viele Stoffe, Nährstoffe und sogar Arten ins Meer transportieren, was dort wiederum die Küsten- und Meeresökosysteme beeinflusst. Sie sind Teil eines gemeinsamen Wasserkreislaufs – was in einem System passiert, wirkt sich auch auf das andere aus.

Folgen von Wasserkraft-Anlagen auf die aquatische Biodiversität


Schädlich für Fische: Wasserkraft-Turbinen

Abb. 19: Q studio - Aal - canva.com

Rund 22,3 % der Fische, die Wasserkraft-Turbinen passieren, erleiden tödliche Verletzungen oder schwere Schäden. Besonders betroffen sind wandernde Arten wie Lachse und Aale, die auf durchgängige Fluss-Systeme angewiesen sind, um ihre Laichgebiete zu erreichen. Die Unterbrechung der biologischen Durchgängigkeit durch Staudämme und Wehre stellt eine erhebliche Gefahr für ihre Fortpflanzung und langfristige Bestände dar.

Abb. 19: Q studio - Aal - canva.com.

Kleinwasserkraft-Anlagen schaden Fischen

Abb. 20: wrangel - Stör - canva.com2024 wurde 5,55 GW Strom aus Wasserkraft erzeugt. Kleine Anlagen leisten trotz ihrer hohen Anzahl nur einen geringen Energiebeitrag, verursachen jedoch auch ökologische Schäden. Denn viele dieser Anlagen sind mit unzureichenden Fischschutz-Vorrichtungen ausgestattet, wie Rechen mit Abständen von 40 bis 60 mm, die keinen effektiven Schutz bieten. Selbst größere Anlagen verfügen oft über keine oder nur unzureichend funktionierende Schutz-Vorrichtungen. Zudem führen aufgestaute Sedimente zu einer Ansammlung von Faulschlamm, der Methangas produziert, das 25-mal klimaschädlicher ist als CO₂.

Abb. 20: wrangel - Stör - canva.com.

Umweltschäden

Abb. 21: Derzno - Happurger_Stausee - CC BY-SA 4.0.Die Veränderungen in der Fluss-Hydrologie durch Wasserkraftwerke beeinträchtigen nicht nur Fische, sondern auch die gesamte ökologische Balance der Gewässer. Eingeschränkter Sediment- und Nährstofftransport sowie reduzierte Sauerstoffgehalte verschlechtern die Lebensbedingungen für aquatische Organismen. In tropischen Regionen werden Stauseen zudem oft zu Brutstätten für Krankheitserreger, was zusätzliche Probleme für Menschen und die Umwelt verursacht.

Abb. 21: Derzno - Happurger_Stausee - CC BY-SA 4.0.


Der Klimawandel verschärft die Situation

Laut einer WWF-Studie könnten bis 2050 rund 61 % der Earth on fireWasserkraftwerke weltweit in Regionen mit hohem Risiko für Wasserknappheit oder Überschwemmungen liegen, was ihre Zuverlässigkeit als Energiequelle infrage stellt. In Bayern, wo viele Kleinwasserkraftwerke an Flüssen mit geringer Wasserführung betrieben werden, könnte diese Entwicklung die ohnehin geringe Stromausbeute weiter reduzieren, während der ökologische Stress in den betroffenen Gewässern zunimmt.




Zuletzt geändert: Freitag, 25. Juli 2025, 16:23