3.5.2 Die Importländer
Aus den Augen, aus dem Sinn
China war lange das Hauptziel deutscher Kunststoff-Abfälle. Seit Januar 2018 hat China den Import von Kunststoffabfällen gestoppt, zudem konnte die EU keine Übergangsregelung mit China aushandeln, weswegen der Müll in kleinere asiatische Länder verschickt wird, wie Malaysia, Indonesien oder Vietnam.
Abb. 34: Vyacheslav Argenberg - Strand in Pulau Perhentian Besar Island, Malaysia - CC BY 4.0.
In den Zielländern entsprechen die Kontrollsysteme und Recyclinginfrastruktur nicht dem EU-Standard. Dadurch wird nur ein Teil tatsächlich recycelt und der Rest wird häufig unter geringen Standards verbrannt, deponiert oder wild entsorgt.
Was passiert mit dem Müll?
Abfälle werden oft unsortiert auf Deponien gesammelt oder verbrannt, wobei giftige Dämpfe und erhöhte Emissionen durch Verbrennung entstehen. Mit dem Abladen der Plastikabfälle sickern giftige Chemikalien und Schwermetalle in die Natur. Der Boden und die Flüsse rund um die Deponien werden verseucht, so lässt sich im Boden gefährliches Blei und Kadmium nachweisen und in den Flüssen schwimmen Phosphor, Nickel und Antimon.
Abb. 35: Colocho - Gesammelter Müll am Perhentian Kecil Strand, Perhentian Besar Islands, Malaysia - CC BY-SA 2.5.
Die Dorfbewohner*innen sind diesen Giften direkt ausgesetzt. Wertvolle Materialien werden nicht wiederverwendet oder von Müllsammler*innen herausgesucht, die auch dabei ihre Gesundheit gefährden. Außerdem belegen unsere Abfälle die dortigen Recyclingkapazitäten, die eigentlich für den landeseigenen Müll genutzt werden sollten. Die Importländer müssen bereits mit ihrem eigenen Müll kämpfen.
Laut einem Bericht von McKinsey gehören Thailand, die Philippinen und Vietnam zu den größten Plastikmüllproduzierenden, was auf ihre schnell wachsende Wirtschaftskraft zurückzuführen ist. Außerdem lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Asien. Trotzdem stammt etwa ein Drittel der weltweiten Müllmenge aus Industrieländern wie den USA und Deutschland, obwohl diese nur 16 % der Weltbevölkerung ausmachen.
Wieso lassen die asiatischen Länder den Import zu, wenn er so schädlich ist?
Ärmere Länder sind in einem Dilemma. Sie benötigen das Geld, das sie durch den Plastikmüllimport erhalten, gleichzeitig sind sie mit den Mengen überfordert. Deutschland kann es sich hingegen finanziell leisten und lagert einen Großteil der Abfallproblematik ins Ausland aus. Das geschieht auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit der Menschen vor Ort!
Abb. 36: Tharmapalan Tilaxan - Eine Elefantenherde in Ampara im Osten Sri Lankas, die sich vom Plastik ernährt - CC BY-SA 4.0.

Möchtest du mehr über das Geschäft mit dem Plastikmüll erfahren, kannst du weitere Details im Beitrag von Deutschlandfunk erfahren.
