3.1.6 Munition

Abb. 17: mycelia gGmbH - Schadstoffe gelangen ins Meer durch Monition - canva.com/ CC BY-SA.
In der deutschen Nord- und Ostsee liegen etwa 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition und 5.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe, die während des Zweiten Weltkriegs durch Militäroperationen oder nach Kriegsende durch gezielte Versenkung ins Meer gelangten. Munition im Meer stellt eine Gefahr für die Umwelt dar, da sie giftige Stoffe wie TNT, Schwermetalle und weißen Phosphor freisetzt, wenn sie rostet. Diese Schadstoffe können Meeresorganismen schädigen und sich in der Nahrungs-kette anreichern. Besonders problematisch sind chemische Kampfstoffe, die längerfristig im Meer verbleiben und weiterhin gefährlich sein können. Die Bergung und Entsorgung von Munitionsaltlasten ist kompliziert und birgt das Risiko, Schadstoffe freizusetzen und Meeressäuger zu verletzen. Es wird diskutiert, mobile Entsorgungsanlagen für die sichere Vernichtung dieser Altlasten zu entwickeln.
Hast du schon mal an der Ostsee Urlaub gemacht?
Vielleicht kennst du dann die Warntafeln und Infoblätter, die Urlauber*innen vor weißem Phosphor warnen. Phosphor sieht aus wie Bernstein und wird an deutsche Strände gespült, insbesondere bei Usedom, wo ca. 1,2 Tonnen durch Fehlwürfe von Brandbomben ins Meer gelangt sind. Es ist gefährlich, den Phosphor anzufassen, denn er kann bei Hautkontakt zu Verbrennungen führen.
Abb. 18: statu-nascendi - Phosphor - canva.com.
Folgen
In der Kolberger Heide, einem Munitionsversenkungsgebiet in der Kieler Bucht, wurden bei einem Viertel der dort untersuchten Fische Lebertumore festgestellt, deutlich mehr als in unbelasteten Gebieten. Muscheln aus belasteten Gebieten zeigten einen 50-fach höheren Gehalt an chemischen Substanzen. Das deutet darauf hin, dass die Gefahr durch alte Munition in Zukunft zunimmt, was sowohl Meerestiere als auch Menschen, die Fisch konsumieren, gefährdet. Wissenschaftler*innen haben Werkzeuge entwickelt, um die Gefahren besser einzuschätzen und empfehlen der Politik, endlich aktiv zu werden, statt weiterhin abzuwarten.

Abb. 19: BMUKN - Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee: Auswirkungen - Individuelle Nutzungsgenehmigung.
Maßnahmen
Entsprechend der Gefahren, die von Munitionen ausgehen, hat die Politik in den letzten 10 Jahren Maßnahmen zur Räumung von Munitionsaltlasten vorgenommen. Zwischen 2014 und 2024 wurden rund 45,7 Millionen Euro für die Bergung von Altmunition aus Nord- und Ostsee ausgegeben. Davon entfielen 41,8 Millionen Euro auf 18 Forschungsprojekte, die sich mit der Bergung verschiedener Munitionsarten, wie Minen und Granaten, befassten. Ein weiteres Praxisprojekt, das von 2017 bis 2023 durchgeführt wurde, erhielt 3,9 Millionen Euro und konzentrierte sich auf systematische Räumungs-aktivitäten sowie Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Einzelfunden, insbesondere zum Schutz der Schifffahrt.
